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Gehen oder bleiben?

Augustinergespräch zur Ausreise von Pfarrern aus der DDR und den Folgen

PM 051/2020

Gehen oder bleiben – das war eine Frage auch für evangelische Pfarrer in der DDR. Sie standen zwischen Anpassung an die SED-Diktatur und Widerstand dagegen. Und auch eine Ausreise in den Westen hatte oft schwerwiegende Folgen. Dieses auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR nur wenig diskutierte Thema steht im Mittelpunkt des nächsten Augustinergesprächs im Evangelischen Augustinerkloster zu Erfurt. Es beginnt am Donnerstag, 10. September, um 19 Uhr. Referenten sind Deborah Haferland, die zu diesem Thema promoviert, und Prof. Dr. Friedemann Stengel, von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Der Eintritt ist frei, es gelten die üblichen Corona-Regeln.

Zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche in der DDR hat die Ev. Kirche in Mitteldeutschland 2017 eine Erklärung herausgegeben. Darin bittet die Kirchenleitung um Vergebung für Fälle, in denen sich ihre beiden Vorgängerkirchen zu stark an die SED-Diktatur angepasst hatten und Mitarbeiter und Pfarrer für die Stasi tätig waren. Außerdem werden Fälle angesprochen, in denen Pfarrer aus politischen Gründen drangsaliert und von ihren Kirchen disziplinarisch belangt oder fallengelassen worden sind: „Dazu gehört auch, dass Pfarrerinnen und Pfarrern und anderen kirchlichen Mitarbeitenden, die in schwerer politischer Bedrängung keinen anderen Weg als die Ausreise aus der DDR gesehen haben, die Freigabe zum Dienst in westdeutschen Kirchen verweigert worden ist.”

Oft genug wurden ausgereisten Pfarrern für mindestens zwei Jahre die sogenannten Ordinationsrechte entzogen – das heißt, sie konnten so lange und manchmal auch deutlich länger nicht als Pfarrer im Westen arbeiten. In der Regel haben die Westkirchen also die Entscheidungen der Ostkirchen akzeptiert und mitgetragen. Für die Pfarrer kam das einem befristeten Berufsverbot gleich und wirkte sich auch gravierend auf ihre Familien aus.

Zwar hatten sich die Pfarrer mit ihrem Amtsantritt verpflichtet, in ihrer Kirche in der DDR Dienst zu tun. Immer wieder wurden sie aber so unter Druck gesetzt, dass manche keinen Ausweg mehr sahen als eine Ausreise. In den meisten Fällen wurden ihnen dann die Ordinationsrechte befristet entzogen, einigen wurden sie belassen. Nicht zuletzt bei den Westkirchen ist das Thema noch lange nicht aufgearbeitet.

Erfurt, den 5. September 2020

Kontakt: Pfarrer Bernd Prigge, Telefon: 0361/57 660-242