Haus der Versöhnung

Haus der Versöhnung

Wir schreiben den 25. Februar 1945 – einer der schwärzesten Tage des Augustinerklosters.


Englische Bomber werfen zwei Luftminen über dem Kloster ab. Die Folgen des Abwurfes sind verheerend. Die eine Luftmine zerstört die Waidhäuser, die andere detoniert über der Klosterbibliothek. In dem Keller der historischen Bibliothek haben 268 Menschen, im Alter zwischen 3 Monaten und 83 Jahren, Schutz vor dem Bombenangriff gesucht. Die Wucht der Detonation ist so groß, dass das Gebäude völlig in sich zusammenbricht und die Menschen teilweise unter den großen Gesteinsbrocken lebendig begraben werden. 267 Menschen sterben, ein junges Mädchen und ein kleiner Hund können gerettet werden.


Kurz nach Ende des 2. Weltkrieges begannen couragierte Erfurter mit den Aufräumarbeiten. Bereits 1946 konnte mit den ersten Arbeiten zum Wiederaufbau der Kirche, des stark zerstörten Westflügels, des Laubenganghauses sowie des Gästehauses begonnen werden. Unter großen Mühen und Strapazen und unter sehr schwierigen politischen Bedingungen wurde das Kloster Stein um Stein wieder aufgebaut. Die historischen Strukturen wurden bewahrt.


Die zerstörte historische Bibliothek und die ebenfalls völlig zerstörten Waidhäuser blieben als Ruinen stehen. Jedoch bestand immer der Wunsch, beide Gebäude wieder aufzubauen.


1994 erwarb die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen das vor dem Westflügel befindliche Grundstück von der Landeshauptstadt Erfurt. In dem Kaufvertrag verpflichtete sich die Landeskirche, beide Gebäude wieder aufzubauen. Der erste Schritt dazu wurde im Jahr 2002 gemacht: Die Grundmauern der Bibliothek wurden restauriert und teilweise rekonstruiert. Eine Wandscheibe, die vom Einsturz bedroht war, ist in einer spektakulären Aktion wieder aufgerichtet worden.


Nach einer deutschlandweiten Ausschreibung beteiligten sich 30 Architekturbüros an einem Realisierungswettbewerb. Am 30. und 31. März 2004 trat eine hochrangige Fach- und Sachjury zusammen und begutachtete die eingesandten Arbeiten. Dem  Architekturbüro Junk & Reich aus Weimar wurde der 1. Preis zuerkannt.


Die eigentlichen Arbeiten begannen im Jahr 2007 und am 25. Februar 2008 wurde der Grundstein für den Wiederaufbau der ehemaligen Klosterbibliothek gelegt. An diesem Tage wurde das Augustinerkloster auch Mitglied der internationalen Nagelkreuzgemeinschaft.


Am 27. August 2010 konnte das wieder aufgebaute Haus durch die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Frau Ilse Junkermann, eröffnet werden.


Text: Lothar Schmelz

Fotos der Eröffnungsfeier am 27. August 2010

Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
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Foto: Matthias F. Schmidt
Foto: Matthias F. Schmidt
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