Kapitelsaal

Kapitelsaal im Augustinerkloster ; Foto: Lutz Edelhoff, Erfurt

Der in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gebaute Kapitelsaal im Ostflügel der Klausur ist einer der ästhetisch beeindruckendsten Räume des Klosters. Er schließt südlich an die ebenfalls aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammende Katharinenkapelle an und wird vom Kreuzgang aus betreten.

Zum Klostergarten nach Osten hin öffnet sich der Raum mit zwei breiten, spitzbogig zulaufenden, dreiteiligen Fenstern, während in die gegenüberliegende Westwandnur ein Fenster eingelassen ist.

Die vier Kreuzrippengewölbe ruhen in der Mitte des Raumes auf einem achteckigen Pfeiler auf, dessen Kapitell mit Halsring und profilierter Deckplatte versehen ist und dem Kapitell des Pfeilers in der Katharinenkapelle ähnelt. An der Nordwand setzen die Rippen und Gurte mit Hohlkehlen auf fächerförmigen zierlichen Konsolen an. Diese sind an der Südwand nicht mehr vorhanden. An der West- und Ostwand laufen die Rippen in einfachen Abrundungen aus. Das Blattwerk der tellerförmigen farbigen Gewölbeschlusssteine liegt ohne Unterhöhlung auf dem Grund auf.

Die Ziegelpflasterung des rechteckigen Raumes stammtmöglicherweise noch aus der Erbauungszeit. Der Kapitelsaal diente dem Konvent als Versammlungsraum.

Sein Name ist von dem Brauch abgeleitet, zu Beginn einer jeden Zusammenkunft ein Kapitel aus der Bibel oder aus der Ordensregelzu verlesen. Daneben hatten feierliche Handlungen ihren Ort im Kapitelsaal.

So ist Martin Luther hier als Novize des Augustinereremitenordens in den Orden aufgenommen worden, und auch die Feier zu seiner endgültigen Aufnahme in den Ordensstand begann im Kapitelsaal.

2009 haben wir den Kapitelsaal grundlegend restaurieren undsanieren lassen. Mit viel Akribie wurde eine Farbanalyse an allen Wänden und den Decken vorgenommen. Die nachgewiesenen Farben wurden wieder aufgenommen, die Rippen neu herausgearbeitet und besonders schön sind die einmaligen Schlusssteine geworden, die wir wieder in voller Pracht sehen.

Heute wird der Raum zu Andachten und von November bis Ostersonntag als Winterkirche genutzt.